Der Willkomm ist in der Schlaraffia der Becher, aus dem der Gast trinkt. Bei der Athenae Jenenses war es ein Lichtenhainer Kännchen — das Gefäß für ein obergäriges, leicht säuerliches, rauchiges Bier aus dem Nachbardorf. Ein Reych, das sich nach Athen nannte, ließ seine Gäste aus dem Krug des trübsten Bieres der Gegend trinken.
Was ein Willkomm ist
Wer als Gast in eine Schlaraffenburg einreitet, wird nicht mit Worten begrüßt, sondern mit einem Trank. Der Willkomm ist das Gefäß, das dafür herumgeht: kein Gebrauchsgeschirr, sondern ein Stück des Reychsschatzes, das bei jeder Sippung seinen Auftritt hat. Welches Gefäß ein Reych dafür wählt, sagt etwas über das Reych.
Die Jenaer nahmen ein Kännchen aus der Kneipe.
Lichtenhain
Lichtenhain war ein Dorf in der Nachbarschaft Jenas und ist heute ein Stadtteil der Stadt. Von dort kam das Bier, das seinen Namen dem Dorf verdankt.
Der Bierstil
Lichtenhainer ist ein obergäriges Bier: hell, leicht, leicht säuerlich und etwas rauchig. Die Säure kommt nicht von einem Fehler, sondern von Milchsäurebakterien.
Bekannt wurde das Bier über die Studenten der Universität, die es in den Jenaer Kneipen kennenlernten und in alle Winde mitnahmen. Es war kein feines Getränk, sondern ein Alltagsbier mit einem eigenen Charakter — genau die Sorte Getränk, um die sich Anekdoten legen.
Ende und Wiederbelebung
Die Brautradition endete 1983. 1997 hat ein Jenaer Gastronom sie wieder aufgenommen; seither ist der Stil wieder zu haben. Das Reych, das aus dem Kännchen zutrank, hat diese Rückkehr nicht mehr erlebt: die Athenae Jenenses erlosch 1937, sechsundvierzig Jahre vor dem Ende der alten Brauerei.
Der Witz in einem Gefäß
Das Ahnen- und Ordenszeichen der Athenae Jenenses war der Kopf der Pallas Athene, der Göttin der Weisheit. Der Willkomm war ein Kännchen Landbier. Wer wissen will, wie Schlaraffia funktioniert, muß nur diese zwei Gegenstände nebeneinander legen: der höchste Anspruch im Zeichen, die größte Bodennähe im Becher. Das eine wird ohne das andere nicht komisch.
Daß der Willkomm der Athenae Jenenses ein Lichtenhainer Kännchen war, geht auf die schlaraffischen Meldungen zum Reych zurück, wie sie im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv verzeichnet sind. Die Angaben zum Bierstil, zu Lichtenhain, zum Ende der Brautradition 1983 und zur Wiederbelebung 1997 sind gesondert nachgewiesen. Wie das Kännchen aussah, ob es erhalten ist und wo es heute liegt, ist nicht bekannt; ein Bild oder eine Beschreibung wäre uns willkommen. Wo dieses Kännchen herumging, steht auf der Seite über die Burg Creopolis.